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Donnerstag, 8. Dezember 2011

(via)
auch, wenn ich das nicht (mehr) oft sage: 
heute ...
war ein guter tag.

.

Sonntag, 6. November 2011

Jemand sagt.

Was ist das eigentlich. Wenn Menschen sagen: ich habe Glück. Glück im Unglück? Sind wir nicht dauerhaft umschlossen von einem Zustand des Sich-Glücklich-Fühlens im tiefsten Unglücklichsein? Es ist eine Tugend, sich zur Schau zu stellen, mit einem Lachen im Gesicht, während das Herz weint. Alles dürfen, nichts können. Alles können, nichts müssen. Vielleicht ist es das Wetter, was auf die Stimmung schlägt. Vielleicht ist es der Alkohol. Abwegiger geht es kaum, oder: es kommen Menschen und erzählen was vom Glück. -

Niemand wird erklären können, warum es nicht gelingt. Niemand wird von sich erzählen und alle applaudieren. Weil es nicht konform geht. Und draußen steigen sie in die Bahn und setzen sich und starren aus dem Fenster, an dem du klebst. Nichts ist, gar nichts. Ich fühle mich einsam, sagt eine Frau. Und das, obwohl ich hier bin, entgegnet ein Mann. Und das, obwohl du dich auch einsam fühlst, erwidert die Frau. Nächste Haltestelle -

Einsamkeit allein ist Einsamkeit. Einsamkeit unter Menschen ist Tristesse. Tristesse - ein französisches Wort für das Land, in dem wir leben und uns verleben. Einigkeit und Glück und Tristesse. Graue Städte schießen wie Pilze aus dem Boden, in den Himmel und färben ihn grau. Es regnet Gebeine und Erinnerungen, der Kopf schmerzt; zuviel Ballast, etwas abwerfen tät mal Not. -

Morgen ist ja auch noch ein Tag, höre ich Einen sagen. Morgen ist kein Tag. Morgen war nie ein Tag, sondern immer nur ein Hoffen, dass es aufhört. Aufhört, zu stechen. Idealistisch, meint Einer. Pessimistisch, ein Anderer. Verrückt, der Nächste. Ich verstehe, sagt eine vertraute Stimme und verstummt. -

Wer die Welt verstehen will, hört auf zu fragen. Niemand will die Welt verstehen, denn niemand versteht sich selbst. Große Töne spuckt ein Jeder, doch wenn es darauf ankommt, kommen die Tränen. Schrei nur lauter, lauter als du es je konntest. Es hilft nichts. Pessimistisch, meint Jemand. Leben? fragt ein Dritter. -

Ein Lächeln heilt alle Krater unter der Haut. -

Ein Jahr vergeht und niemand kümmert sich drum. Und du stehst im Regen und fragst dich, warum die Wolke sich über dir erbricht. Es ist ein Scheitern, das du so nicht kennst. Ein Knall und alles ist fort. Pessimistisch, meint Einer. -

Es ist, wie es ist.

Sonntag, 11. September 2011

Die Leute von früher gehen abends nie aus.

Mir ist soeben beim Betrachten eines Fotos bei fuckfacebook etwas aufgefallen. Ich sehe da Leute von früher. Sie sitzen an einem Tisch in einem Club und zeigen mit dem Daumen nach oben. Sie trinken Bier aus dem Glas. Unten rechts in der Ecke ist das Logo irgendeines x-beliebigen Partyfotomagazins der Stadt. Sie lachen alle in die Kamera. Im Hintergrund bunte Lichter. Unter dem Bild Kommentare wie "Fetter Abend" oder "Du hast mich voll auf meiner Nase verlinkt!".

Und dabei ist mir aufgefallen: wieviel Belanglosigkeit passt eigentlich in ein Foto? Oder auch: wieviel Belanglosigkeit passt eigentlich in einen Mensch?

Montag, 25. Juli 2011

Kaninchen.

Den Menschen widerstrebt es normalerweise, sich mit den Verworrenheiten ihres privaten und öffentlichen Lebens abzugeben: sie fühlen sich unsicher und auf gefährlichem Boden. In unserer gegenwärtigen Arbeitsteilung werden diese Probleme dem Philosophen oder Theologen zugewiesen. Oder aber die Menschen trösten sich mit dem Gedanken, daß die Dissonanzen vorübergehen und im Grunde alles stimmt. Das letzte Jahrhundert der europäischen Geschichte hat jedoch schlüssig gezeigt, daß die Menschen, so sicher sie sich auch geben, unfähig sind, ihr Leben gemäß ihren Vorstellungen von Humanität einzurichten. Eine Kluft trennt die Ideen, nach denen sie sich und die Welt beurteilen, von der sozialien Realität, die sie durch ihre Handlungen reproduzieren. Deshalb sind all ihre Vorstellungen und Urteile zweideutig und verfälscht. Gegenwärtig sehen sie sich auf das Unheil zusteuern oder bereits in es verstrickt; sie sind in vielen Ländern dermaßen paralysiert von der herannahenden Barbarei, daß sie nahezu völlig außerstande sind, zu reagieren und sich in Sicherheit zu bringen. Sie sind die Kaninchen vor dem Marder.
(Max Horkheimer) 

Sonntag, 24. Juli 2011

Norwegen.

Ein Paar Worte zu den unglaublichen Geschehnissen in Norwegen. 

Ich finde es erschreckend, dass in einem Land, von dem wir eigentlich dachten, es sei sicher und mit sich selbst zufrieden, so etwas passieren kann. Dass sich ein Rechtsextremist soviel Aufmerksamkeit verschaffen kann. Dass er Menschen töten kann, gute Menschen. Dass das Ganze seit Jahren geplant war und vielleicht sogar angekündigt. Der Mann mit dem Engelsgesicht und dem friedlichen Lächen im Gesicht, dessen Namen nun jeder kennt, hat genau das erreicht, was er wollte: jeder kennt seinen Namen, sein Gesicht, seine abstrusen Ideen. Ein 1500-seitiges Manifest schrieb er, erklärte seine Angst vor einem Sieg des "kulturellen Marxismus", spricht von einer Islamisierung Europas (Europa schafft sich ab?) und konstruiert schließlich ein Szenario, in dem das gewalttätige Sich-zur-Wehr-setzen gegen Linke, Islamisten und andere, die nicht mit der Hand auf der Flagge geboren worden, legitimiert. So legitimierte er seine Taten selbst: möglichst viele Jugendliche auszurotten, die später einmal vielleicht in der sozialdemokratischen Partei an der Macht stehen könnten. Kurz gesagt: sein Ziel war es eben auch, das Land wieder Richtung Nation zu rücken. 

Anders Behring Brevik ist der Typ Mensch, der niemanden auffällt, bis er auffällt. Und wenn er auffällt, dann so maximal wie irgend möglich. Menschen wie ihn gibt es in jedem Land. Und diese werden jetzt durch seine Taten angespornt, selbstverständlich wird es Nachahmer geben. Ich glaube, wenn sich nicht ein weltpolitischer Wechsel - weg von der Nation, hin zur Union - einstellt, wird sich daran auch nichts ändern. Diese Pamphlets, diese Manifeste gibt es zigfach, Anspruch oder Wissenschaftlichkeit hin oder her - es gibt diese Gedanken in den Köpfen. Und diese Gedanken müssen irgendwo aufgekommen sein, es muss eine Keimzelle dieser Gedanken geben. Und die gilt es zu finden und zu zerstören. Sonst wird es so etwas wie in Norwegen immer wieder geben. 

Ich selbst sitze hier und tippe diese Zeilen. Weit weg von einem Land, in dem Dinge geschehen, die nie geschehen dürften. Eine erbärmliche Situation. Irgendwie möchte man doch etwas tun! Ich weiß es nicht. Ich finde es zum Kotzen, dass es Menschen wie Brevik (oder Sarrazin, oder Stoiber, oder wie die ganzen Affen heißen) und ihre Gedanken geben muss, damit den ganzen vor sich hin trottenden und fettfressenden Menschen die Augen geöffnet werden. Aber solang die Masse ruhiggestellt wird und eben alles frisst, was die Bild oder die DNN ihnen vorwirft, geht es anscheinend nicht anders. 

Traurige Welt, in der wir leben. 

(Im Übrigen war auch bei diesen Attentaten wieder die Religion eine maßgebende Triebfeder. Die christliche, nicht die islamische. Vielleicht sollte man das abstruse Konstrukt Religion dann doch endlich aufgeben.)

Empfehlenswert auch der Artikel im tageschau.blog:
http://blog.tagesschau.de/2011/07/24/massaker-als-marketing/ 

Mittwoch, 13. Juli 2011

Wahrheit Nr. X

Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedengestelltes Schwein. Und wenn das Schwein anderer Ansicht ist, dann deshalb, weil es nur die eine Seite der Angelegenheit kennt. Die andere Partei hingegen kennt beide Seiten.
(John Stuart Mill) 

Montag, 25. April 2011

Himbeerbrause.

Jeden Tag zweihundert neue Freunde gemacht. Ein Klick genügt. Kontake knüpfen, Netzwerke stricken, Verbindungen Verbindungen! Super ist diese unsere heutige Zeit. Das Haus verlassen ist eigentlich gar nicht mehr nötig. Und schon wieder dreiundneunzig neue Freunde, herrje. Das ist fame, das ist hype, das ist Leben Leben!

Naja, und wenn dann doch mal etwas passiert, ist niemand da. Und trotzdem hast du vierunddreißig neue Freunde. Merkst du den Unterschied? Lachen geht nicht "xD", lachen geht gar nicht mehr. "Guten Morgen" sagst du am Vorabend des Gewitters und merkst gar nicht, wie lächerlich du bist. Leben Leben! 

Stil ist alles und so. Jaja, blabla. Foto von oben, vierzehn neue Freunde. Heute oder morgen, gestern oder am Mittwoch. Ich nenn mich Walter, du Adelheid, wir haben Freunde Freunde! Unzählbar viele. Niemand davon kennst du. Lachhaft, sich als Individuum zu bezeichnen. Lachhaft lachhaft! 

Musik ist gut, immer laut und immer drauf. Umschwärmt von leeren Augen stehst du da und denkst, dass alles richtig war. Das Böse steht dir gut, zumindest online. Und immer, wenn der Kreis grün leuchtet, muss ich kotzen. Kotzen kotzen!

Leere Worthülsen zerfetzen die Stille, die keine ist und hinterlassen lachende Blutlachen einer vergangenen Zeit, die nach Himbeerbrause schmecken. Immer Sommer und immer gut. Und wenn die Fassade bröckelt, isst du den Putz und postest ein Bild deines Magens in der Hoffnung auf zwanzig neue Freunde. Die du dann auch wie durch Geisterhand bekommst. Fotos Fotos! 

Willst sagen: komm vorbei. Sagst: log dich ein, ich adde dich, du addest mich und dann vergessen wir uns. Es gibt ja noch andere, die du adden kannst. Plus eins auf der Gästeliste der Nichtigkeit. Und morgen kommt das Gewitter und du merkst immer noch nicht wie absurd du bist. 



Donnerstag, 31. März 2011

Kreise.

Und so ziehen die Tage. Wir ziehen unsere Kreise, du deine und ich meine. Und die Sonne lacht, und der Grill grillt und die Kinder spielen Fußball.  Manchmal denke ich, dieser Sommer geht nie vorbei. Dabei hat er noch nicht mal begonnen.

Und so ziehen die Jahre. Wir ziehen unsere Kreise, du deine und ich meine. Und der Regen stürzt sich aus dem Himmel wie Vögel, die den Willen zum Leben, zum Fliegen irgendwo verloren haben. Und die Menschen eilen hastig ins Café, suchend nach einem Platz im Trockenen. Und die Kinder spielen Fußball. Manchmal denke ich, dieser Herbst geht nie vorbei. Dabei ist er schon lange vergessen.

Und so ziehen die Minuten. Wir ziehen unsere Kreise, du deine und ich meine. Überall Idioten, sage ich, schau nur, wie dämlich sie sind. Sitzen da und denken sie wären etwas. Ich muss lachen.

Manchmal denke ich, dieser Tag geht nie vorbei. Und dann wird es dunkel -

Freitag, 18. März 2011

Wir hören nur uns.

Wir hören nur uns.
Denn wir werden allmählich blind für das Draußen.
Was wir sonst auch gestalten, führt wieder um uns herum. Es ist nicht genau so ohne weiteres ichhaft, nicht genau so dunstig, schwebend, warm, dunkel und unkörperlich wie das Gefühl, immer nur bei mir, immer nur bewusst zu sein. Es ist Stoff und fremd gebundenes Erlebnis. Aber wir gehen im Wald und fühlen, wir sind oder könnten sein, was der Wald träumt. Wir gehen zwischen den Pfeilern seiner Stämme, klein, seelenhaft und uns selber unsichtbar, als ihr Ton, als das, was nicht wieder Wald werden könnte oder äußerer Tag und Sichtbarkeit. Wir haben es nicht, das, was dies alles um uns an Moos, sonderbaren Blumen, Wurzeln, Stämmen und Lichtstreifen ist oder bedeutet, weil wir es selbst sind und ihm zu nahe stehen, dem Gespenstischen und noch so Namenlosen des Bewusstseins oder Innerlichwerdens. Aber der Ton brennt aus uns heraus, der gehörte Ton, nicht er selbst oder seine Formen. Dieser aber zeigt uns ohne fremde Mittel unsern Weg, unseren geschichtlich inneren Weg, als ein Feuer, in dem nicht die schwingende Luft, sonder wir selber anfangen zu zittern und den Mantel abzuwerfen.

(Ernst Bloch: Philosphie der Musik. S.7)

Freitag, 7. Januar 2011

Kollektive Selbsteinschätzung.

Wir sind immer die Herrchen und Frauchen, an deren Beine die Hunde pinkeln. Wir sind niemals die Hunde. Wir trauen uns nicht zu pinkeln. Wir winseln und lassen die Ohren hängen. Wir sind doch niemals die Hunde. Wir holen das Stöckchen, egal wie oft es geworfen wird. Wir sind doch niemals die Hunde. Wir lassen uns ans Bein pinkeln. Wir sagen entschuldigung, ja und danke. 

Ich frage mich, wann die Hunde aufgehört haben, Herrchen und Frauchen zu sein.

Freitag, 22. Oktober 2010

...die ewige Hoffnung der Menschheit.

[...] die Tatsache, dass wir alle geboren wurden, und das bedeutet, dass jeder von uns irgendwann anfing, hier zu sein, als andere schon lange da waren, und das stellt sicher, dass es immer solche geben wird, die die Welt zum ersten Male sehen, Dinge mit neuen Augen anschauen, staunen, wo andere durch Gewohnheit abgestumpft sind, starten, wo andere angekommen sind. Jugend mit all ihrer Tolpatschigket und Torheit, ihrem Eifer und ihrem Fragen ist die ewige Hoffnung der Menschheit. Ohne ihre immerwährende Ankunft würde die Quelle von Neuheit versiegen, denn die Alt- und Älterwerdenden haben ihre Antworten gefunden und bewegen sich auf eingefahrener Bahn. Das immer neue Anfangen, das nur um den Preis immer wiederholten Endens zu haben ist, ist der Schutz der Menschheit gegen das Versinken in Langeweile und Routine, ihre Chance, die Spontaneität des Lebens beizubehalten. [...]
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Was jeden von uns betrifft, so könnte das Wissen, dass wir hier nur kurz weilen und dass unserer zu erwartenden Zeit eine unverhandelbare Grenze gesetzt ist, sogar nötig sein als Antrieb dafür, unsere Tage zu zählen und sie so zu leben, dass sie durch sich selber zählen.
Hans Jonas: Vom Sinn des Todes.

Montag, 4. Oktober 2010

Beine.

Ja, auch wenn es abgedroschen klingt: vieles lernt man erst lieben, wenn man es hinter sich gelassen hat. Du verlässt einen Ort, ein Haus, ein Leben und ein paar Jahre später holt es dich wieder ein. Ist nunmal so, kann man nichts machen. Und irgendwie bleibt es so doch auch im Gedächtnis. Und das ist es doch, wonach alle händeringend eifern: Erinnerungen. Die Zeit ist viel zu kurzlebig, um auch nur am Rande mitzubekommen, was eigentlich gerade passiert. Doch all das, was wir jetzt vielleicht nicht mitbekommen, oder mitbekommen und dann im Sumpf der Eindrücke wieder vergessen, all das, meine ich, kommt in ein zwei Jahren wieder. Mit doppelter Intensität. Die Gegenwart als Erinnerung wahrnehmen, Zeitverschiebung als Filter.

Man geht durch alte Straßen, entdeckt vermeintlich Neues. Und in einer ruhigen Minute fällt dir wieder ein, hier warst du schonmal, das ist alles nicht neu, im Gegenteil. Die vertrautesten Dinge sind oft die, die verschwunden sind. Und dann einfach wieder auftauchen. Das geht von alleine. Es ist nicht einfach, es ist auch nicht schwer. Es ist einfach da, wie die Augenringe nach einer zu langen Nacht. Du kannst es nicht abschütteln, es klammert sich immer wieder an dich. Tausend Eindrücke, zweitausend Erinnerungen, zehntausend Träume, ein Gedanke. Das war früher schon so, das ist immer noch so.

Vielleicht sollten wir aufhören, uns ständig zu bewegen, ständig was zu tun. Immer weg von hier, da ein Neuanfang, um dann kurz darauf wieder aufzugeben und weiterzuziehen. Dann würde es vielleicht auch nicht so verrückt erscheinen, das Leben im Hier und Jetzt. Aber: was wäre die ganze Sache hier denn ohne Bewegung? Stillstand als Lösung klingt nicht schön. Es ist eine Zwickmühle, ganz gewiss. Und so gehen wir eben weiter, saugen das Drumherum auf, ohne es zu beachten, und lassen es uns in zwei Jahren von Neuem umwerfen. Das ist also das, was man meint, wenn man glaubt, auf eigenen Beinen zu stehen. Schade nur, dass die Beine einen nicht für immer tragen können.