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auch, wenn ich das nicht (mehr) oft sage:
heute ...
war ein guter tag.
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Den Menschen widerstrebt es normalerweise, sich mit den Verworrenheiten ihres privaten und öffentlichen Lebens abzugeben: sie fühlen sich unsicher und auf gefährlichem Boden. In unserer gegenwärtigen Arbeitsteilung werden diese Probleme dem Philosophen oder Theologen zugewiesen. Oder aber die Menschen trösten sich mit dem Gedanken, daß die Dissonanzen vorübergehen und im Grunde alles stimmt. Das letzte Jahrhundert der europäischen Geschichte hat jedoch schlüssig gezeigt, daß die Menschen, so sicher sie sich auch geben, unfähig sind, ihr Leben gemäß ihren Vorstellungen von Humanität einzurichten. Eine Kluft trennt die Ideen, nach denen sie sich und die Welt beurteilen, von der sozialien Realität, die sie durch ihre Handlungen reproduzieren. Deshalb sind all ihre Vorstellungen und Urteile zweideutig und verfälscht. Gegenwärtig sehen sie sich auf das Unheil zusteuern oder bereits in es verstrickt; sie sind in vielen Ländern dermaßen paralysiert von der herannahenden Barbarei, daß sie nahezu völlig außerstande sind, zu reagieren und sich in Sicherheit zu bringen. Sie sind die Kaninchen vor dem Marder.
Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedengestelltes Schwein. Und wenn das Schwein anderer Ansicht ist, dann deshalb, weil es nur die eine Seite der Angelegenheit kennt. Die andere Partei hingegen kennt beide Seiten.
Wir hören nur uns.
Denn wir werden allmählich blind für das Draußen.
Was wir sonst auch gestalten, führt wieder um uns herum. Es ist nicht genau so ohne weiteres ichhaft, nicht genau so dunstig, schwebend, warm, dunkel und unkörperlich wie das Gefühl, immer nur bei mir, immer nur bewusst zu sein. Es ist Stoff und fremd gebundenes Erlebnis. Aber wir gehen im Wald und fühlen, wir sind oder könnten sein, was der Wald träumt. Wir gehen zwischen den Pfeilern seiner Stämme, klein, seelenhaft und uns selber unsichtbar, als ihr Ton, als das, was nicht wieder Wald werden könnte oder äußerer Tag und Sichtbarkeit. Wir haben es nicht, das, was dies alles um uns an Moos, sonderbaren Blumen, Wurzeln, Stämmen und Lichtstreifen ist oder bedeutet, weil wir es selbst sind und ihm zu nahe stehen, dem Gespenstischen und noch so Namenlosen des Bewusstseins oder Innerlichwerdens. Aber der Ton brennt aus uns heraus, der gehörte Ton, nicht er selbst oder seine Formen. Dieser aber zeigt uns ohne fremde Mittel unsern Weg, unseren geschichtlich inneren Weg, als ein Feuer, in dem nicht die schwingende Luft, sonder wir selber anfangen zu zittern und den Mantel abzuwerfen.
[...] die Tatsache, dass wir alle geboren wurden, und das bedeutet, dass jeder von uns irgendwann anfing, hier zu sein, als andere schon lange da waren, und das stellt sicher, dass es immer solche geben wird, die die Welt zum ersten Male sehen, Dinge mit neuen Augen anschauen, staunen, wo andere durch Gewohnheit abgestumpft sind, starten, wo andere angekommen sind. Jugend mit all ihrer Tolpatschigket und Torheit, ihrem Eifer und ihrem Fragen ist die ewige Hoffnung der Menschheit. Ohne ihre immerwährende Ankunft würde die Quelle von Neuheit versiegen, denn die Alt- und Älterwerdenden haben ihre Antworten gefunden und bewegen sich auf eingefahrener Bahn. Das immer neue Anfangen, das nur um den Preis immer wiederholten Endens zu haben ist, ist der Schutz der Menschheit gegen das Versinken in Langeweile und Routine, ihre Chance, die Spontaneität des Lebens beizubehalten. [...]
Was jeden von uns betrifft, so könnte das Wissen, dass wir hier nur kurz weilen und dass unserer zu erwartenden Zeit eine unverhandelbare Grenze gesetzt ist, sogar nötig sein als Antrieb dafür, unsere Tage zu zählen und sie so zu leben, dass sie durch sich selber zählen.Hans Jonas: Vom Sinn des Todes.