Freitag, 22. Oktober 2010

...die ewige Hoffnung der Menschheit.

[...] die Tatsache, dass wir alle geboren wurden, und das bedeutet, dass jeder von uns irgendwann anfing, hier zu sein, als andere schon lange da waren, und das stellt sicher, dass es immer solche geben wird, die die Welt zum ersten Male sehen, Dinge mit neuen Augen anschauen, staunen, wo andere durch Gewohnheit abgestumpft sind, starten, wo andere angekommen sind. Jugend mit all ihrer Tolpatschigket und Torheit, ihrem Eifer und ihrem Fragen ist die ewige Hoffnung der Menschheit. Ohne ihre immerwährende Ankunft würde die Quelle von Neuheit versiegen, denn die Alt- und Älterwerdenden haben ihre Antworten gefunden und bewegen sich auf eingefahrener Bahn. Das immer neue Anfangen, das nur um den Preis immer wiederholten Endens zu haben ist, ist der Schutz der Menschheit gegen das Versinken in Langeweile und Routine, ihre Chance, die Spontaneität des Lebens beizubehalten. [...]
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Was jeden von uns betrifft, so könnte das Wissen, dass wir hier nur kurz weilen und dass unserer zu erwartenden Zeit eine unverhandelbare Grenze gesetzt ist, sogar nötig sein als Antrieb dafür, unsere Tage zu zählen und sie so zu leben, dass sie durch sich selber zählen.
Hans Jonas: Vom Sinn des Todes.
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