Freitag, 6. August 2010

Die Sachsentram.

Die Chemnitzer sind ein lustiges Völkchen. Als wäre es so schon nicht peinlich genug für eine "Stadt der Moderne", ihre Bus- und Bahnfahrer zum Rhetorikseminar zu schicken, weil sie schlichtweg nicht zu verstehen sind, nein, ab sofort sagt in den Bahnen anscheinend auch noch eine sächsisch sprechende CVAG-Mitarbeiterin die nächsten Haltestellen an. Das spare die immensen Kosten einer Profi-Sprecherin und zeige Heimatnähe, so CVAG-Pressesprecher Stefan Tschök.

Im Gegenzug dürfte es die Stadt Chemnitz, die ihreszeichens demografisch gesehen die zweitältestete Stadt Deutschlands ist, komplett der Lächerlichkeit preisgeben. Immerhin verstehen jetzt auch Bus- und Bahnfahrer, an welcher Haltestelle sie gerade halten. Die CVAG zieht Vergleiche zu anderen Verkehrsunternehmen, in denen die Ansagen ebenfalls nicht von Profi-Sprechern kommen. In Bayreuth beispielsweise sagen kleine Kinder die Stationen an. Beim BVO Erzgebirge kommt die Ansage komplett vom PC. (Das sowas auch arg schief gehen kann, erlebt man zurzeit in den Bussen des RVD in Freital. Computergenerierte Ansagen für solch illustre Haltestellennamen wie Zauckerode Ambulatorium sind die Spitze der Peinlichkeit. Dann lieber wieder ohne Ansagen.) 

All das ist ja schön und gut. Und wenn es Kinder einsprechen, das hat ja auch einen gewissen "Oh, ist das süß!"-Einfluss auf Touristen und Stadtbewohner. Aber wenn es aus dem Lautsprecher breit chemnitzerisch sächselt, dann gibt es eher diesen "Oh mein Gott"-Faktor. Davon werden Touristen (sollte es sowas in Chemnitz tatsächlich geben) zuhause gewiss auch erzählen. Beim Stammtisch. Betrunken und lauthals lachend.

(via)

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