Samstag, 4. August 2012

auf der fähre, juli 2012.

am nebentisch, der mann mit bauch, oder besser: der bauch mit mann, letzterer gemütlich auf ersteren abstützend, cola trinkend, in den fernseher starrend. er versteht nicht, was dort gesagt wird, der geräuschpegel des voll besetzten schiffes, die in allerlei sprachen schreienden, heulenden, spielenden kinder, das piepen der kasse, die aus zeiten stammt, von denen sonst großväter mit feuchten augen erzählen; all das lässt die worte des moderators nicht an sein ohr dringen. und doch schaut er unaufhörlich hin, nur kurz unterbrochen durch ein nippen an seiner viel zu großen cola.

daneben kartenspielende osteuropäer, am liebsten würden sie rauchen dem zittern ihrer hände nach. zwielichtige gesichter neben schwedischen mädchen, die, nicht älter als dreizehn, vertieft sind in ein buch mit großschrift und bildern, kindgerecht. draußen das meer, das von alldem nichts mitbekommt. schiffe am horizont, wolken am himmel, die welt interessiert sich wenig bis gar nicht für das innenleben unserer fähre.

genauso desinteressiert am geschehen ist das hippe großstadtpärchen zweit tische weiter. er, zu enge jeans, weißes basecap, das, verkehrtherum getragen, coolness demonstrieren soll, darüber schwarze, viel zu große kopfhörer, starrt angestrengt auf sein viel zu großes ipad, nur unterbrochen durch vereinzelte autistische wischbewegungen. sie, blondes haar, kleine weiße kopfhörer, braune kunstlederimitatjacke, lesend, nervös die übereinander geschlagenen beine zuckend, würdigt ihn keines blickes. still schweigend starrend sitzen sie gelangweilt beschäftigt gegenüber.

und dann, später, gegen mittag, am hafen angekommen, zerstreuen sich die wege, keiner wird den anderen wiedersehen, zumindest nicht heute. das land schluckt uns und spuckt uns irgendwo wieder aus. heimat, flucht, arbeit, urlaub, jeder hat einen weg vor sich, ungeachtet dem des andern. kein blick, kein interesse, das leben geht weiter. an bord beginnen die aufräumarbeiten, man macht eifrig sauber für die nächste fahrt in fünfundvierzig minuten oder so. 
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