Donnerstag, 16. Februar 2012

ein abgesang.

ich stehe an einer haltestelle. das tu ich öfters, denn ich habe kein auto. je später der abend, desto länger stehe ich an haltestellen. ich habe zeit, die menschen zu beobachten, die gegenüber stehen. gegenüber heißt richtung stadtrand. richtung außerhalb, weg vom leben, weg vom dabeisein. ich beobachte und höre gespannt zu. ich verstehe nicht viel. ich verstehe nicht, warum sich die deutschen über ausländer aufregen, wenn doch die deutschen das eigentliche problem im lande sind. vor allem die jungen deutschen.

adidias-taschen tragend, mit billiggel schlecht gestylte scheitel, vielleicht hier und da noch ein stern in den schädel rasiert, das wirkt männlich, das wirkt stark und respekteinflößend. die zeit, in der nur dumme vierzehnjährige adidas-taschen tragen ist vorbei. alles unter achtzehn hat kein gehirn. auf ihren hosen steht picaldi, das ist dummdeutsch für ich habe kacke in der hose und zöge ich sie weiter hoch, wäre das ekelhaft. 

v plus energy, das zweite sixpack, es ist gleich zweiundzwanzig uhr. sie brüllen. wortfetzen ohne gehalt, bewegungen ohne takt, leben ohne sinn. ich beobachte die "menschen" und bin froh auf der anderen seite zu stehen. der rewe hat schon zu, es ist kalt, trinken wir uns um die runden. der zucker hält uns warm, wir gröhlen: das geht ab, wir feiern die ganze nacht und steigen in die bahn ein, raus, raus aus der stadt. und dann: in den plattenbaugebieten im siebten stock der besoffenen mutter gute nacht gesagt, bei facebook seinen siebenhundert "freunden" noch schnell ein bild obenohne vorm spiegel gepostet, alle verlinkt und damit gezeigt, wie wichtig alle sind. 

ich habe damals in der zwölften klasse gesagt, die sekundarstufe eins betrachtend: nach uns kommt nichts mehr. ich stehe heute an der haltestelle und weiß, dass wir recht hatten. es kommt nichts mehr. alles unter achtzehn hat kein gehirn. man kümmere sich wieder um die jugend, sagt der npd-ortsvorstand und die menge applaudiert. wenigstens macht jemand was. kümmern, das heißt, v plus energy für alle und picaldi kann ja auch mal thor steinar sein und der döner-imbiss, bei dem wir gestern noch aßen, ist heute eine bimbobude und gehört abgebrannt. solange die adidas-taschen fest sitzen und man immer pünktlich halb elf bei muttern ist, stört sich keiner daran. die likes kommen, und dann nennt man sich auch gern mal mit spitznamen aryan guy achtundachtzig. 

was früher jugend war, ist heute aussichtslos. was früher auf der suche nach leben war, ist heute auf der suche nach likes und anschluss. alles unter achtzehn hat kein gehirn, ausgetauscht durch massenbilder, langweilig bis zum erbrechen, schlecht informiert und ungebildet, fehlgeleitet und beeinflussbar. den eigenen kopf abgegeben an marken, an die homies, an eine realität, die keine ist. in den mittelschulen des landes züchtet man dummheit, die gymnasien sterben aus, haare werden sie irgendwann komplett abschaffen, genauso wie einen menschlichen umgangston. 

ja, ich stehe gerne länger an haltestellen und beobachte die menschen. manchmal werde ich dabei wütend und traurig zugleich und der ekel frisst mich auf. die dumme deutsche jugend ohne gehirn, da steht sie. ich würde sie gern wegwischen wie eine schweißperle oder ausdrücken wie ein pickel oder auskotzen wie ein stück verdorbenes fleisch. - ("nein, wie das klingt. darf man sowas sagen. und überhaupt. die sind doch nur in ihrer selbstfindungsphase. das legt sich doch wieder. ja, mein gott, sie verprügeln hin und wieder ausländer und andere, aber die provozieren ja auch immer. man muss sie lassen. ihr wart früher auch nicht anders. jeder generation ihre verfehlungen.") 
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